Newsanzeige

09.06.2008

Ausstellung "Oasen der Stille. Die großen Landschaftsgärten in Mitteleuropa"

Von 6. Juni bis 18. November 2008 im Liechtenstein Museum Wien

Näheres auf http://www.liechteinsteinmuseum.at

 

Ein Kommentar zu Ausstellung und Katalog von Christian Hlavac:

Von 6. Juni bis 18. November 2008 zeigt das Liechtenstein Museum im Gartenpalais Liechtenstein in der Wiener Rossau eine Ausstellung über Landschaftsgärten in Mitteleuropa. Ausgehend von frühen Beispielen, wie etwa dem Wiener Prater, spannt sich der Bogen von den Gärten im Wienerwald (z.B. Gallitzinberg, Neuwaldegg, Hinterbrühl) über die Anlagen von Schönau an der Triesting, Bruck/Leitha und Eisenstadt bis zu den großen liechtensteinischen Landschaftsgärten in Niederösterreich und in Südmähren.

Die Ausstellung zeichnet in über 200 Gemälden, Grafiken, Plänen und Skulpturen die Geschichte der Landschaftsgärten nach. Bilder von Bellotto, Hackert, Rebell, Waldmüller, Alt oder Höger vermitteln die große Bandbreite dieses kulturhistorischen Themas, das eng mit der Philosophie und Geschichte der Zeit zwischen 1760 und 1848 verwoben ist. So gab J. J. Rousseau mit der Devise "Zurück zur Natur" einen wichtigen Startschuss für die Bewegung des Landschaftsgartens in Kontinentaleuropa. Wie Johann Kräftner, Direktor des Liechtenstein Museum Wien im Vorwort schreibt, wurden "ganze Herrschaftsländereien [...] an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert in diese Paradiese aus zweiter Hand verwandelt, getragen von dem Gedanken, wie das Schöne und das Nützliche einander am besten begegnen könnten."

Ausgehend vom letzten Viertel des 18. bis weit in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein begannen die meisten Familien des Hochadels ihre streng formalen barocken Gartenanlagen im neuen "englischen Stil" umzuformen und Landschaftsgärten anzulegen. Später erfasste der Trend auch das aufstrebende Großbürgertum, wie die Beispiele Peter von Braun und Franz von Mack in der Umgebung Wiens zeigen.

Den größten Garten Mitteleuropas besaß die Familie Liechtenstein zwischen ihren Besitzungen in Feldsberg (Valtice) und Eisgrub (Lednice) in Südmähren. Vor allem Johann I. von Liechtenstein (1760-1836) investierte viel Zeit und Geld in die Verschönerung und verbesserte Ökonomie seiner Besitzungen in Niederösterreich und Südmähren.

Von den ursprünglichen Gärten, die in der Ausstellung gezeigt werden, wurden einige im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte stark verändert, einige gingen in ihrer ursprünglichen Ausformung gänzlich verloren. Die Ausstellung hilft, die verlorenen bzw. verborgenen "Kunstlandschaften" (wieder) zu entdecken.

 
Die Ausstellung

Beginnend mit der Einleitungstafel ("grosse Familie") negieren die Ausstellungsmacher konsequent jedes scharfe "ß". Die Schweizer Schreibweise wird auch im Katalog durchgezogen.

Die Ausstellungsstücke sind nur mit einer Nummer versehen, die Nummerierungsfolge ist nicht nachvollziehbar. Die Informationen zu den Werken sind auf laminierten A3-Blättern in deutscher und englischer Sprache abgedruckt. Auch hier gilt: Die Nummerierung ist nicht nachvollziehbar. Die Werke sind weder thematisch noch nach der Reihenfolge der Räume bzw. Raumwände nummeriert, was das Nachlesen auf den Infoblättern erschwert.

Die Ausstellungsstücke stammen vor allem aus der Sammlungen Liechtenstein bzw. dem Hausarchiv der Liechtensteins, dem Wien Museum, der NÖ Landesbibliothek, der Albertina und der Sammlung Esterházy.

In den ersten beiden Räumen werden die Vorreiteranlagen und Vorbilder bzw. österreichische Landschaftsgärten thematisiert. Der dritte Raum handelt vom Thema der Liechtensteinischen Besitzungen: Mödling, Hinterbrühl, Rasumofsky, Adamsthal, Greifenstein und Eisgrub/Feldsberg. In der Bibliothek des Palais sind Pläne und Buchseiten ausgestellt, die aus dem Bestand der Bibliothek stammen. Besonderes Augenmerk lenkt die "Generalmappa der Hochfürstlich Liechtensteinischen Herrschaft Schönau" (nach 1826) auf sich.

Interessant sind zwei Pläne aus dem Hausarchiv der Liechtensteins, die den Garten der Liechtensteins in der Rossau betreffen: Einerseits ist dies die erstmals ausgestellte bzw. publizierte Federzeichnung "Palais Liechtenstein in der Rossau (Grundriss von Garten, Palais und Hof)" aus der Zeit um 1687, die kürzlich in den Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein aufgefunden wurde. Im Jahr 1687 schloss Fürst Liechtenstein die Ankäufe von Grundstücken ab. Andererseits ist dies ein Plan zur Umgestaltung des Liechtensteingartens in der Rossau von Philip Prohaska um 1801: Der Landschaftsgarten, der den barocken Garten ersetzen soll, ist mit einem extrem dichten Wegenetz versehen. Die "Brezelwege" nehmen auf diesem Plan mehr als ein Drittel (!) der gesamten Gartenfläche ein.

Desweiteren sind vier (der sechs) großformatigen Ölgemälde von Albert Christoph Dies (gemalt 1806-1812) ausgestellt, die tatsächliche und zukünftige Szenerien des Eisenstädter Esterházyschen Landschaftsgartens zeigen.

Besonders interessant sind die 24 (von 30) Gouachen von Ferdinand Runk (1764-1834), die im dritten Raum ausgestellt sind. Runk hat im Auftrag des Fürsten von Liechtenstein alle Besitzungen gemalt. Die 24 Gouachen sind neben- und übereinander angebracht, wodurch die oberen zwölf Bilder so hoch hängen, dass sie weder im Groben noch im Detail "lesbar" sind.

Die Insel Stein und die Villa Hamilton in den Wörlitzer Anlagen sind mit zwei bisher in Fachpublikationen sehr selten publizierten Aquarellen von Karl Kunz aus dem Jahr 1797 vertreten. Sie stammen aus den Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein.

Ein besonderes Ausstellungsstück ist der im Jahr 2000 wiederaufgefundene, seit 2001 im Besitz der Albertina befindliche und inzwischen restaurierte Plan zur Anlage Laxenburg von Peter Josef Lenné aus 1815 (siehe dazu die Beiträge von Géza Hajós und Klaus von Krosigk, Die Gartenkunst Heft 1/2001). Im Begleittext (A3-Bögen) heißt es: "Das Gartenareal wurde von Joseph Lenné [sic] nach englischem Vorbild modernisiert [...]." Beim Leser könnte daher der Eindruck entstehen, dass Lenné dort tatsächlich den Plan in die Tat umgesetzt hat, was nicht den Tatsachen entspricht.

Erstmals wird ein Schnitt durch den "Tempel der Nacht" gezeigt, der von Architekt Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg um 1800 für Freiherrn Peter von Braun für dessen Anlage in Schönau an der Triesting (südlich von Wien) entworfen und gebaut wurde. Leider ist der Tempel nur mehr in Resten erhalten. Der Schnitt und das ebenfalls abgebildete Aquatina-Bild "Der Tempel der Nacht" von Benedikt Piringer (um 1820, schon mehrmals publiziert) verweisen auf ein mögliches Vorbild, die Sala Rotonda in den Vatikanischen Museen (siehe dazu den Stich "Sala Rotonda" in der Neuauflage von Goethes Italienischer Reise 1786/1925).

Einige bisher unklare Zuschreibungen in der Fachliteratur können nun revidiert bzw. neue Verbindungen aufgezeigt werden: So wird in Gerd-Helge Vogels ausführlichem vierteiligen Aufsatz "Wunderland Cathay. Chinoise Architekturen in Europa" (Die Gartenkunst 1/2004-2/2005) der Kupferstich "Chinesisches Lusthaus im Fürstlichen Liechtensteinschen Park zu Eisgrub" (Janscha/Ziegler) als ein von einem unbekannten Künstler erstellter Stich unter dem Titel "Das Chinesische Lusthaus des Prinzen Liechtenstein in Wien-Hütteldorf" bezeichnet (Vogel, Teil 4, S. 400).

Der Kupferstich "Platz der grossen Vorstellungen im Prater" (unbekannter Künstler, 19. Jahrhundert) erinnert frappant an den Kupferstich "Der Feuerwerks Platz im Prater" von Janscha/Ziegler aus 1783 (siehe Ausstellungskatalog "Schöne Aussichten. Die berühmten Wien-Bilder des Verlags Artaria", 2007, S. 119).

 
Der Ausstellungskatalog

Er umfasst mehrere Einleitungsartikel und fasst in kurzen, kurzweiligen Texten die jeweiligen Themen der Ausstellung zusammen. Der Katalogteil umfasst 247 Abbildungen mit den jeweiligen Detailinformationen. Die Abbildungen sind im Katalogteil in kleinformatiger Komplettansicht, im Textteil oftmals nur als großformatige Ausschnitte abgebildet.

Im Text zu Laxenburg hat sich eine kleine Ungenauigkeit eingeschlichen. Der Satz "Schon 1798 war nach dem Ankauf eines grossen [sic] Stückes Land im Osten in Richtung Achau mit dem Bau des Ritterschlosses, der Nachempfindung der Habsburg in der Schweiz, begonnen worden" (S. 72) erweckt den Eindruck, dass die Franzensburg die Kopie der Habsburg (Kanton Aargau) sei. Tatsächlich wurde die Idee, oberhalb der Grotte in Laxenburg eine verkleinerte Habsburg zu errichten, spätestens 1821 endgültig aufgegeben und daher nie verwirklicht.

 
Insgesamt betrachtet sind die Ausstellung und der Katalog ein weiterer Schritt zur Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit für historische Garten- und Parkanlagen. Wie so oft gilt das Motto: Nur was man kennt, schätzt man. In diesem Sinn wünsche ich mir weitere Ausstellungen dieser Art, in denen Hausarchive ihre Schätze der breiten Öffentlichkeit präsentieren.

Christian Hlavac