Club im Urlaub
Club im Urlaub
Zugänge zum Verständnis künstlicher Ferienwelten
Mit dem Erfolg künstlicher Ferienwelten beschäftigen sich zahlreiche Tourismustheorien, die, so der Autor, diesen Erfolg nur unzureichend erklären können. Der Geograph Stefan Küblböck fand es an der Zeit, Cluburlauber selbst zu Wort kommen zu lassen, um dem Phänomen „Urlaub im Club“ auf die Spur zu kommen. Die Grundidee der Feldforschung war, dass die Touristen selbst den Reiz der Clubs schildern sollten. Hierzu interviewte (Rolle als Forscher) und beobachtete (Rolle als Tourist) er Touristen in Ferienclubs in der Türkei, in Tunesien und Deutschland. Die vom Autor daraus destillierten Typologien verdeutlichen, welche Bedeutung die Befragten ihrer Urlaubszeit („Urlaubszeitgruppen“) und ihrem Urlaubsraum („(Urlaubsraumgruppen“) beimessen. Sein Ziel ist es, Erklärungsmuster zu finden, um die Frage „Warum verbringen immer mehr Menschen ihren Urlaub in künstlichen Ferienwelten/Ferienclubs?“ zu beantworten. Drei Methoden der empirischen Sozialforschung wandte der Autor dabei an: Unstrukturierte teilnehmende Beobachtung, problemzentrierte Interviews (104 Personen) und ero-epische Gespräche. Durch Gruppenbildung (Clusteranalyse) arbeitete er die oben schon erwähnten Urlaubszeitgruppen – idealtypische Bedeutungen der Zeit beim Urlaub in künstlichen Ferienwelten – und Urlaubsraumgruppen – idealtypische Bedeutungen des Raums beim Urlaub in künstlichen Ferienwelten – aus. Das Fazit seiner Doktorarbeit: „Urlaub als Differenz zum Alltag“ und „Urlaub als Selbstwert“ müssen sich nicht widersprechen. Bekannte moderne Theorien des Tourismus müssen zwar kritisch reflektiert und elastischer formuliert werden; sie brauchen aber nicht völlig aufgegeben werden. Die breite theoretische Einleitung (40 % des Buchumfanges) und die klare Darstellung der Ergebnisse erklären, warum der Autor – zu Recht – den Wissenschaftspreis der ITB 2005 erhalten hat. Sein Werk ist ein wichtiger Baustein zum Verständnis von Ferienclubs und ihren Gästen, von Pull- und Push-Faktoren. Sie ermöglichen es, an der Einbettung von Ferienclubs in eine „Nachhaltige Entwicklung des Tourismus“ in jenen Regionen (weiter-) zu arbeiten.
Christian Hlavac
Stefan Küblböck: Urlaub im Club. Zugänge zum Verständnis künstlicher Ferienwelten. Profil Verlag, München 2005; 252 S., ISBN 3-89019-584-9; EUR 24,90
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