Gehölze in historischen Gärten im Klimawandel

Gehölze in historischen Gärten im Klimawandel

 

Von den Auswirkungen des Klimawandels sind Gärten und Parks besonders betroffen, da sie unmittelbar dem Einfluss der Witterung und den sich häufenden Wetterextremen ausgesetzt sind. So können beispielsweise Überschwemmungen, der Verlust baulicher Substanz, Sturmschäden, Überhitzung von Oberflächen oder der Verlust von Altbäumen Folgen des Klimawandels sein. Im Sommer 2015 startete deshalb in Berlin das Forschungsprojekt "Zukunftsweisender Umgang mit der Gehölzvegetation historischer Gärten in Zeiten des Klimawandels", dessen Ergebnisse nun publiziert wurden. Das Vorhaben wurde über eine Laufzeit von drei Jahren durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt gefördert. Warum wurde gerade der Fokus auf Gehölze gelegt? Erstens sind sie wichtige, augenfällige Elemente historischer Gärten, zweitens sind sie aufgrund ihrer Langlebigkeit und ihrer Unbeweglichkeit am unmittelbarsten vom Klimawandel betroffen.

Unter der fachlichen Leitung des Fachgebiets Vegetationstechnik und Pflanzenverwendung hat am Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung der Technischen Universität Berlin ein transdisziplinäres Forschungsteam, bestehend aus Natur- und Geisteswissenschaftlern und -innen, untersucht, welche Auswirkungen der Klimawandel für die Gehölzbestände des Kulturgutes "Historische Gärten" schon derzeit hat und in Zukunft haben könnte. Ziel des Projektes war auch dezidiert, Handlungsempfehlungen für die Praxis – d. h. für die Eigentümer bzw. Verwaltungen von Gärten – zu erarbeiten. Neben der Ausarbeitung theoretischer Ansätze und Lösungen wurden auch praktische Versuche unternommen, die über eine längere Periode durchgeführt werden, wobei die Flächen für diese Versuche der Kooperationspartner "Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg" (SPSG) zur Verfügung stellte. Aufgrund der langen Laufzeiten konnten in den meisten Fällen nur Zwischenberichte über die Freilandversuche im vorliegenden Buch publiziert werden.

Der Titel des Buches deutet an, dass die Klimaveränderungen vielfältige und teils neuartige Anforderungen an die Gartendenkmalpflege stellen. Behandelt werden Themen und Fragestellungen, die von naturwissenschaftlichen und kunsthistorischen bis zu ökonomischen und gärtnerischen Aspekten reichen. Die sechs großen Themenkreise sind 1. ökologische Prozesse in historischen Gärten, 2. Neupflanzungen in historischen Anlagen, 3. die Revitalisierung von Gehölzbeständen, 4. das Wassermanagement und Bewässerung, 5. Schädlinge und Krankheiten an Gehölzen und 6. die lokale Anzucht von Gehölzen. Den Abschluss bildet die Diskussion, ob und wie – bei größeren Anlagen – (wieder) eigene Baumschulen sinnvoll für die Erhaltung historischer Gärten sind. Hier war die Empfehlung recht eindeutig: Gehölze aus eigener Aussaat bzw. aus der Naturverjüngung eigener Flächen sind widerstandsfähiger und sollten auf eigenen Flächen – mit ähnlichen Boden- und Klimaverhältnissen wie am auszupflanzenden Standort – aufgezogen werden.

Alle Kapiteltexte basieren laut Herausgebern auf der Auswertung des aktuellen wissenschaftlichen Diskurses, auf Ergebnissen der praktischen Versuche mit Gehölzen, auf die Analyse historischer Schriften, auf die Erkenntnisse von Einzelpersonen aus der Praxis und Forschung (vierteilige Workshop-Reihe) sowie auf zahlreichen Experten-Interviews.

Wie schon im Grußwort des Gartendirektors der SPSG angesprochen, erfordert die denkmalgerechte Bewahrung von Gartenkunstwerken in der Regel die Nachpflanzung von Gehölzen gleicher Gattung und Art am selben Standort, um die einst geplanten Raumbilder und gestalterisch beabsichtigte Sichten in den Gärten und Parks immer wieder neu aufzubauen und langfristig halten zu können. Die aktuellen und voraussichtlichen Entwicklungen erfordern aber neben Anpassungen in der Anzucht und Pflege vor allem vorbeugende Maßnahmen. Deutlich wird bei der Lektüre des Buches auch, wie wichtig qualitätsvolle gärtnerische Praxis, Erfahrungswissen und Verzahnung dieser mit (neuen) wissenschaftlichen Erkenntnissen sind.

Der Anspruch, dass das Buch eine Handreichung für Praktikerinnen und Praktiker sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Bereich der Gartendenkmalpflege sein soll, wird eingelöst – auch wenn naturgemäß viele Fragen offen bleiben oder die Frage nach dem konkreten Vorgehen im Einzelfall nicht beantwortet werden kann. Trotzdem oder gerade deshalb sind Publikationen, wie die vorliegende, wichtig.

Christian Hlavac

 

Norbert Kühn, Sten Gillner, Antje Schmidt-Wiegand (Hrsg.): Gehölze in historischen Gärten im Klimawandel. Transdisziplinäre Ansätze zur Erhaltung eines Kulturguts. Universitätsverlag der TU Berlin. Berlin 2017. 295 Seiten. ISBN 978-3-7983-2958-4, EUR 18,- [D].

 

 

 



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